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Aktuelles

Informations- und Veranstaltungstage

 

vom 02. Mai bis 04. Mai 2018

anlässlich der Aktionswoche des europaweiten Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

 

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Ausstellung "Natur und Fantasie"

 

Die Stralsunder Künstlerin Birgitt Bartelt zeigt in ihrer Verkaufs-Ausstellung Malerei, Fotografie und Encaustik.

 

Besichtigung der Bilder:

09.03.2018 - 17.05.2018,

Mo - Do 8 - 14 Uhr und Fr 8 - 12 Uhr

im großen Raum und im Vorraum

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Auszug aus dem Buch von Arno Geiger „Der alte König in seinem Exil“

aus dem Carl Hanser Verlag München:

 

"Wenn ich zu Hause bin, wecke ich Vater gegen neun. Er liegt ganz verdattert unter seiner Decke, ist aber ausreichend daran gewöhnt, dass Menschen, die er nicht erkennt, in sein Schlafzimmer treten, so dass er sich nicht beklagt. „Willst du nicht aufstehen?“, frage ich ihn freundlich. Und um ein wenig Optimismus zu verbreiten, füge ich hinzu: „Was für ein schönes Leben wir doch haben.“ Skeptisch rappelt er sich hoch: „Du vielleicht.“… Ich reiche ihm seine Socken, er betrachtet sie ein Weilchen mit hochgezogenen Augenbrauen und sagt dann: „Wo ist der Dritte?“…

 

Nach dem Frühstück fordere ich ihn auf, sich rasieren zu gehen. Er sagt augenzwinkernd: „Ich wäre besser zu Hause geblieben. Dich komme ich nicht so schnell wieder besuchen.“…

Neuerdings bedankt er sich sehr oft. Vor einigen Tagen sagte er, ohne dass ich den geringsten Zusammenhang hätte herstellen können: „Ich bedanke mich recht herzlich bei dir schon im Voraus.“ Auf derartige Eröffnungen reagiere ich mittlerweile entgegenkommend: “Gern geschehen“, sage ich oder: „Keine Ursache!“ oder: „Das tue ich doch gern.“ Denn erfahrungsgemäß sind bestätigende Antworten, die dem Vater das Gefühl geben, alles sei in Ordnung, besser als das Nachfragen…, das ihn nur beschämte und verunsicherte. Niemand gibt gern Antworten auf Fragen, die ihn, wenn er sie überhaupt begreift, nur zur Einsicht in seine Unzulänglichkeiten bringen….

 

Eine Katze streift durch den Garten. Der Vater sagt: „Früher hatte ich auch Katzen, nicht gerade für mich allein, aber als Teilhaber.“ Und einmal, als ich ihn frage, wie es ihm gehe, antwortet er: „Es geschehen keine Wunder, aber Zeichen.“…

 

Und ich habe auch gelernt, dass man für das Leben eines an Demenz erkrankten Menschen neue Maßstäbe braucht…. Für ihn gibt es keine Welt außerhalb der Demenz. Als Angehöriger kann ich deshalb nur versuchen, die Bitterkeit des Ganzen ein wenig zu lindern, indem ich die durcheinander geratene Wirklichkeit… gelten lasse."

 

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